Freitag, 13. September 2002Eine schrecklich nette FamilieWährend der vier Wochen in der Schule habe ich in einer ecuatorianischen Familie gelebt. Organisiert wurde das von der Schule, die mit mehreren Familien eng zusammenarbeitet und ihnen regelmäßig Schüler vermittelt. So wurde auch mir anfangs zugesagt, dass die Familie Erfahrung mit ausländischen Mitbewohnern hat – dass das nicht der Fall und ich der erste Gast war, stellte sich erst später heraus. Auch ansonsten bin ich nicht ganz glücklich geworden mit meiner Gastfamilie. Zwar waren alle sehr nett und zuvorkommend zu mir, es war aber einfach keine gute Umgebung für mich als Gaststudenten. Die alleinerziehende Mutter und ihre beiden Töchter in meinem Alter lebten relativ stark aneinander vorbei und waren vielbeschäftigt bzw. selten zu Hause. So kam es, dass ein gemeinsames Essen (bei dem ich mein Spanisch einfach hätte trainieren können) die absolute Ausnahme war und ich meistens allein mit der Haushälterin (die ein bisschen Angst vor mir hatte) gegessen habe. So hat jeder mehr oder weniger seinen eigenen Tagesablauf gehabt, zu längeren Unterhaltungen mit mir kam es selten. Wenn mich meine sehr netten "Schwestern" ab und zu mal auf eine Party mit ihren Freunden mitgenommen haben, war es aber immer ein Heidenspaß und ein sehr gutes Training für mein Spanisch. Auf einer Geburtstagsparty ihres Cousins war ich einmal sogar nicht der einzige anwesende Deutsche, das Geburtstagskind hatte nämlich ein Auto von den Eltern bekommen. Daran wird schon deutlich, dass meine Familie offensichtlich sehr gutsituiert war. Die Wohnung umfasste eine ganze Etage in einem modernen Haus und man fuhr einen fetten Geländewagen. Besonders viel vom typisch ecuatorianischen Leben dürfte ich also nicht mitbekommen haben. Die Kosten für die Unterbringung in einer Familie liegen um die $10-$15 pro Tag inkl. Verpflegung und Wäsche. Dafür bekommt man wirklich gutes Essen, deswegen ist es nicht oder höchstens ein wenig teurer als das Leben in einem billigen Hostel 22:47 |
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