Montag, 1. Oktober 2001YangshuoHeute ist chinesischer Nationalfeiertag, auf der Straße werden schon die ersten Knallfrösche gezündet. Ich sitze am Frühstückstisch im Café neben unserer Jugendherberge und warte auf Heike, Jessi, Martin und Andi, mit denen ich in den letzten zwei Tagen unterwegs war. Wir haben uns an meinem letzten Abend in Peking zufällig kennen gelernt und herausgefunden, dass wir alle am nächsten Morgen im selben Flugzeug nach Guilin sitzen sollten, um ein paar Tage hier in Yangshuo zu verbringen. Schade, dass mein Urlaub schon in den letzten Zügen liegt, hier könnte man es auch wesentlich länger aushalten als diese knapp zwei Tage. Yangshuo ist ein kleiner Ort von etwa 30.000 Einwohnern und liegt ungefähr 700 km nordwestlich von Hong Kong. Die Stadt ist so eine Art "Backpackers' Heaven" in China, und entsprechend viele junge Leute aus aller Welt findet man hier. Es gibt wunderbar billiges westliches und chinesisches Essen, günstige Unterkünfte und tolle Marktstraßen, wo man Klamotten, Kitsch, Souvenirs und gefälschte CDs kaufen kann. Überhaupt besteht das Ortszentrum eigentlich ausschließlich aus Läden, Cafés, Restaurants und Billighotels. Ein bisschen außerhalb gibt es aber auch noch einen "chinesischeren" Ortsteil zu entdecken mit einem hektischen Fleisch- und Gemüsemarkt, sehr viel Leben auf den Straßen, Wasserbüffelherden, Entenhirten, allerlei undenkbaren Fortbewegungsmitteln. Es macht Spaß, einfach nur an der Straße zu sitzen und dem Treiben zuzuschauen. Natürlich gibt es in einem so beliebten Touristentreff auch Hundertschaften von Leuten, die dich alle paar Meter anquatschen und Postkarten, Wasser, Rosen verkaufen wollen, aber ich empfinde sie hier als weniger aufdringlich als z.B. in Peking. Das Unglaublichste ist aber die Landschaft in dieser Gegend. Rund um Yangshuo stehen die so genannten Karstberge, tausende kleiner (100 bis 300 m) Berge, die wie Fingerhüte aussehen – einer neben dem Anderen. Die Gegend hier ist scheinbar der einzige Ort weltweit, an dem sich solch eine bizarre Landschaft gebildet hat. Nach der Anreise und einem ersten Rundgang über die Märkte vorgestern haben wir fünf und gestern Fahrräder gemietet und einen Führer, der uns die Landschaft gezeigt hat. Nach einem Aufstieg auf den Moon Hill, wegen seines kreisrunden Lochs mittendrin der berühmteste Hügel, hat unser Guide dann bei sich zu Hause für uns gekocht (lecker!). Nach der Stärkung ging es unter Tage in eine große Tropfsteinhöhle, in der wir drei Stunden lang herumgewandert und -gekrochen sind (natürlich auch mit Führer). Absolutes Highlight war dann ein Ganzkörperschlammbad in der Höhle, wir waren wirklich von Kopf bis Fuß komplett braun. Eine ausgiebige Säuberungsaktion unter der Handwasserpumpe beschloss diesen Supertag. Heute morgen sind wir Jungs dann noch um 5 Uhr aufgestanden, um den Sonnenaufgang auf einem der Berge zu erleben, aber leider waren alle Zugänge verschlossen. Die Mädels haben also gut daran getan, lieber auszuschlafen. Wir übernachten im Yangshuo Youth Hostel (Huayuan Fandian) für 25 Yuan pro Kopf und Nacht im Dreibettzimmer mit Bad. Nicht besonders komfortabel, aber mit einem sehr netten Café, und die Betreiber haben gute Tipps bzw. organisieren Touren für ihre Gäste. 10:22 |
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Rubrik: China
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