Freitag, 28. September 2001Die Große MauerIch stehe auf einem Wachturm der Großen Mauer und blicke nach Norden in Richtung Mongolei. Bei 25 Grad und strahlendem Sonnenschein keine Menschenseele weit und breit, Blick auf eine karge, hügelige und unbesiedelte Landschaft und mittendrin dieses unbeschreiblich imposante Bauwerk, nicht in einer geraden Linie verlaufend, sondern sich über die Berge schlängelnd, immer hin und her genau über die höchsten Erhebungen, damit kein Feind hinüberschauen oder -schießen kann. Sicher gab es auch vor 2.000 Jahren architektonisch anspruchsvollere Bauten als eine 5 m hohe und 3 m breite Mauer, aber die schiere Länge von mehreren tausend Kilometern sprengt einfach alle Dimensionen. Wie haben die Menschen das damals nur bauen können, hier mitten im Niemandsland? Meine beste Entscheidung heute war, keine durchorganisierte Touristentour zu einem restaurierten Mauerstück nach Badaling mitzumachen (da fahren fast alle hin, die die Mauer sehen wollen), sondern, nur mit dem Lonely Planet bewaffnet, das Abenteuer auf mich zu nehmen, ganz alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Jingshaling zu fahren und von dort auf eigene Faust ca. 9 km auf einem unrestaurierten Teilstück der Mauer nach Simatai zu wandern. Die Anreise ist zwar recht lang, chaotisch (überfüllte Minibusse, in denen man von allen angestarrt wird, zähe Preisverhandlungen) und dank nicht vorhandener chinesischer Sprachkenntnisse nicht ganz einfach zu organisieren, aber die Mühe lohnt sich doppelt und dreifach: waren auf den ersten Kilometern meiner Wanderung noch vereinzelte andere Touristen unterwegs, bin ich jetzt seit über einer Stunde schon niemandem mehr begegnet. Inzwischen bin ich drei Stunden weitergelaufen und fast am Ziel Simatai angelangt. Dort wartet mein Fahrer auf mich, der mich aus Miyun nach Jinshaling gebracht hat und mich jetzt von Simatai wieder nach Miyun zurückfährt – ein ganz persönlicher Chauffeur also. In Miyun warte ich dann an der Bushaltestelle auf einen ganz normalen Bus nach Peking, als ein Auto hält und der Fahrer mich fragt, ob ich nicht mitfahren will. Er nimmt noch zwei andere Leute mit und bringt uns für 10 Yuan (2,50 DM) pro Nase wieder in die Stadt. Die Fahrt ist besonders lustig, weil einer der drei gerade einen Anfängerkurs in englisch macht und mir ganz stolz die ersten Sätze aus seinem Workbook vorliest. Meine englischen Antworten versteht er jedoch nicht, also muss ich mich mit dem chinesischen Phrasebook rumquälen. Wir brauchen etwa 15 Minuten, um Befinden und Herkunft auszutauschen und zu mehr Kommunikation sind wir dann nicht in der Lage – der Rest der zweistündigen Fahrt verläuft eher ruhig. Los geht's am Pekinger Busbahnhof Dongzhimen im Nordosten des Stadtzentrums. Die Fahrt im Minibus nach Miyun dauert knapp zwei Stunden und kostet 10 Yuan. Von Miyun geht es mit öffentlichem Nahverkehr nicht mehr weiter, man muss sich einen kleinen Bus ("miandi") mieten und mit dem Fahrer vereinbaren, dass man nach Jinshaling gebracht und fünf Stunden später aus Simatai wieder abgeholt werden will. Hier ist hartes Verhandeln angesagt, ich habe den Preis von 180 auf 80 Yuan gedrückt. In Jinshaling zahlt man dann noch mal 30 Yuan Eintritt zur Mauer. Die Wanderung nach Simatai ist im Lonely Planet sehr gut beschrieben. 18:32 |
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Rubrik: China
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Bisherige Kommentarepetra am 7. Dezember 2003 09:29: Sehr interessant.Als chinese bin ich noch niemals dorthin gefahren.Noch inte-ressanter finde ich deinen Handel mit den chinesischen Haendlern,was ich bis jetzt noch nicht gut tun kann.Hoffentlich macht dir die Reise durch China grossen Spass. xiangqi am 21. Februar 2005 11:58: Hallo Ole, ich habe auch in Erwaegung gezogen, Vielen Dank im Voraus Xiangqi Ole am 21. Februar 2005 12:10: Xiangqi, Leistungssportler muss man mit Sicherheit nicht sein. Die Anstrengung ist ungefähr vergleichbar mit einer Wanderung durch etwas unwegsames und hügeliges Gelände. An ein oder zwei Stellen muss man ein wenig klettern, weil einzelne Treppenstufen schon mal 40, 50 cm hoch sein können. Genauso ist die Trittfläche an ein paar wenigen Stellen nicht viel breiter als zwei Füße und dann geht es an einer Seite eben steil runter. An der anderen konnte man sich aber eigentlich immer festhalten, ich würde es also nicht für extrem gefährlich halten. Ich habe allerdings gehört, dass dieser Abschnitt der Mauer inzwischen ganz für Touristen gesperrt sein soll, weil man alle nach Badaling locken will. Dazu weiß ich aber nichts Näheres. Würde mich in jedem Fall vorher noch mal informieren. xiangqi am 21. Februar 2005 13:58: Vielen Dank fuer die schnelle Antwort, die Xiangqi xiangqi am 21. Februar 2005 14:22: Hallo nochmals, habe gerade im Lonely Planet Forum geschaut, Xiangqi Daniel am 29. März 2005 11:19: Hallo, vielen Dank für deinen Kommentar in meinem Weblog. Es ist interessant, den pfeiferauchenden Einheimischen, den Du in deiner Bildersammlung hast, den gibt es immernoch und er ist auch noch täglich auf der Mauer. Mittlerweile ist er wohl schon ein paar Jährchen älter, aber es ist definitiv der selbe. Bis dann... PS: Eine Liste mit allen Hong Kong Weblogs werde ich am Ende meiner Zeit hier ins Weblog setzen, da im Moment die Zeit dazu fehlt. |















