Geysir Strokkur
Gesamteindruck
Fantastisch! Ich hatte im Vorhinein hohe Erwartungen an Islands Naturschönheiten, muss aber sagen, dass diese fast ausnahmslos übertroffen wurden. Mit so vielen Highlights hatte ich nicht gerechnet.
Inhalt
- Reiseroute
- Reisezeit und -dauer
- Auto/Mietwagen
- Unterkunft/Camping
- Kosten
- Tops und Flops
- Was würde ich anders machen?
- Deine Meinung
Reiseroute
Die Ringstraße Nr. 1 führt einmal rund um die Insel und ist für alle der Fixpunkt in der Routenplanung. Wie die große Mehrheit aller Touristen sind wir die Ringstraße von Reykjavík aus gegen den Uhrzeigersinn gefahren. So fährt man zuerst den so genannten "Golden Circle" ab und kann gleich am ersten Tag einige Top-Sehenswürdigkeiten "abhaken": die alte Parlamentsstätte Þingvellir (sprich: "Thingwedlir" mit Ti-Äitsch), den Geysir Strokkur und den Wasserfall Gullfoss. Westen und Norden -- landschaftlich nicht weniger attraktiv, aber ärmer an "Muss"-Sehenswürdigkeiten, spart man sich für den Schluss auf.
Von der Ringstraße haben wir viele kleine und 5 größere Abstecher gemacht:
- Vom Gullfoss aus die so genannte Kjölur-Piste 35 ins Hochland zu den Thermalquellen Hveravellir und zurück. Insgesamt ca. 180 km gut befahrbare Schotterpiste, Übernachtung in Hveravellir. Knapp 24 Stunden Zeitaufwand.
- Sechsstündige Wanderung im Skaftafell-Nationalpark direkt an der Ringstraße.
- Im Norden eine Runde über Dettifoss-Wasserfall, Ásbyrgi-Canyon und Húsavík (Whale Watching). Kaum mehr als 12 Stunden.
- Zweiter Ausflug ins Hochland zur Askja-Caldera und zum Kverkfjöll-Gebirgszug am Nordrand des riesigen Vatnajökull-Gletschers. 250-300 km Hochlandpiste mit einer Übernachtung, etwa 30 Stunden.
- Fahrt um die westliche Halbinsel Snæfellsnes. Etwa 300 km, größtenteils asphaltiert, eine Übernachtung, 20 Stunden.
Fahrleistung in 10 Tagen: 3500 km. Das ist nicht wenig, aber ich hatte nicht das Gefühl, es übertrieben zu haben. Karte unserer Reiseroute.
Reisezeit und Reisedauer
Reisezeit
Der "Zauberberg" Snæfellsjökull
Vom 15. bis 25. Juni 2007. Mitte/Ende Juni scheint im Nachhinein optimal. Man hat am meisten Tageslicht und es ist noch nicht so voll. Island ist kein Geheimtipp mehr, deswegen hatten wir mit einigem Gedränge und vollen Campingplätzen gerechnet -- auch im Vertrauen auf den Reiseführer, der eine Vorausbuchung von Campingplätzen im Sommer dringend empfahl. Nichts dergleichen war zu sehen, von Überfüllung keine Spur. Abseits des "Golden Circle" war nirgends unangenehm viel los -- und dort waren zwar die Parkplätze voll, aber auch das bedeutet in Island nicht, dass man sich gegenseitig auf die Füße tritt; es gibt viel Platz.
An unseren letzten beiden Tagen hatten wir beide das Gefühl, dass vorher verlassen wirkende Campingplätze schlagartig gut besetzt waren. Auch an eher abseits gelegenen Orten trafen wir auf einmal viele Leute an, vornehmlich Einheimische (z.B. abends um 23 Uhr auf der Passstraße des Snæfellsjökull). Vielleicht haben an dem Wochenende in Island die Ferien begonnen?
Die Hütte am Kverkfjöll
Im Juli und August dürfte es tatsächlich deutlich voller sein. Ungläubig lauschte ich Leifur, dem Hüttenwart der abgelegenen Kverkfjöll-Hütte im Hochland, als er erzählte, dass seine 80 Betten in den kommenen Wochen regelmäßig ausgebucht sein würden -- am 21. Juni hatte er ganze 5 Gäste (das war allerdings auch erst eine knappe Woche nach Saisoneröffnung, da die Pisten nach Kverkfjöll vorher noch nicht befahrbar waren).
Sommer oder Winter?
Im Winter ist Island bestimmt reizvoll. Viele Landschaften müssen im Schnee magisch aussehen, vor allem die unzähligen Wasserfälle. Allzu kalt wird es wohl auch im Winter nicht, und zumindest die Ringstraße dürfte immer befahrbar sein; ins Hochland kommt man außerhalb des Sommers natürlich nicht. Größter Nachteil des Winters ist die Dunkelheit: wir waren an vielen Tagen locker bis Mitternacht unterwegs, bevor wir uns einen Platz zum Zelten gesucht haben. So kann man in kurzer Zeit enorm viel unternehmen, im Winter undenkbar. Und die kleinen Orte und Städtchen rund um die Insel machten auf mich nicht den Eindruck eines Überangebots heimeliger Weihnachtsmärkte und lauschiger Kneipen, damit abends keine Langeweile aufkommt.
Fazit: für die erste Islandreise halte ich den Sommer für optimal. Wenn ich allerdings noch mal wiederkomme irgendwann, würde ich im Winter kommen -- vor allem für eine Kurzreise über ein verlängertes Wochenende bestimmt super.
Dauer
Wie viel Zeit braucht man für Island? Unsere 10 Tage waren in Ordnung, 2 Wochen sind (natürlich) besser. Gerade wegen der 24 Stunden Tageslicht haben wir mehr geschafft, als wir vorher gedacht hatten. Beispiele: einmal sind wir um 15 Uhr noch zu einer sechsstündigen Wanderung aufgebrochen, anderntags begann die dreistündige Walbeobachtungstour abends um acht -- anderswo undenkbar.
Welche Gegenden/Attraktionen haben wir ausgelassen? Mit mehr Zeit hätte ich die Tour auf jeden Fall auf die Nordwestfjorde ausgedehnt, dafür muss man wahrscheinlich 2 Tage rechnen. Eine Fahrt zu den Westmännerinseln war bei uns auch nicht drin. Im Süden haben wir auch auf die bestimmt lohnenswerten Abstecher nach Landmannalaugar und Þórsmörk verzichtet. Und natürlich kann man überall mehr Zeit verbringen, man reiten, wandern oder ins Penismuseum gehen, oder einfach mal einen Tag gar nichts machen.
Fazit: in 2 Wochen kann man praktisch alles sehen und langweilig wird es bei 3 Wochen auch nicht.
Unser Wagen
Mietwagen
Die allermeisten Islandreisenden reisen mit dem Auto durchs Land, und da die Überfahrt mit der Fähre viele Tage dauert, wird das in der Regel ein Mietwagen sein.
PKW oder Geländewagen?
Das ist wohl die erste Frage, die sich jeder stellt. Ein Kleinwagen kostet um die 40-50 Euro pro Tag, ein Geländewagen locker das Doppelte. Dennoch meine Meinung: wer mehr als nur den "Golden Circle" fahren will, kommt um ein SUV nicht herum. Dabei geht es gar nicht um Flussdurchfahrten und dergleichen. Praktisch jeder Abstecher bedeutet Schotterpiste, selbst die Ringstraße ist nicht durchgehend asphaltiert. Die meisten dieser Straßen sind zwar mit jedem Auto befahrbar, doch wo man mit dem Geländewagen noch recht gemütlich mit 50-60 km/h fahren kann, zuckelt der Toyota Yaris mit 30 daher. Spaß macht das nicht. Und das Hochland ist ein magischer Ort, der dem PKW-Fahrer weit gehend verschlossen bleibt. Selbst ein handelsüblicher Fotostopp an der Ringstraße ist mit dem Kleinwagen problematischer, weil es keine Seitenstreifen gibt. Mit dem Jeep kann man an der Böschung parken, einem PKW bleibt nur die Straße. Wegen des geringen Verkehrs meist kein Problem, aber wer weiß.
Beachte: einen Unfall sollte man mit dem Mietwagen lieber nicht verursachen, denn die Selbstbeteiligungen sind gerade bei den Geländewagen enorm hoch: während es für PKW z.B. bei Holiday-Autos oft gute Angebote ohne SB gibt, war die Selbstbeteiligung für unseren Jeep glatte 170.000 ISK, fast 2100 Euro. Und Flussdurchquerungen im Hochland gehen immer auf komplett eigenes Risiko, da zahlt die Versicherung nicht. Dazu eine nette Anekdote: auf die Frage nach der "Gefährlichkeit" der Furten auf dem Weg nach Askja meinte der nette Mann an der Touristinformation todernst: "Wenn Sie mit dem Verkehr in einer europäischen Metropole zurecht kommen, wird der Fluss kein Problem für Sie sein, in der Stadt ist es doch viel gefährlicher." Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass der Isländer an sich genau so fühlt. Talk about different perspectives!
Wir haben bei Budget gemietet und einen ganz guten Deal bekommen, wie ich glaube. Reserviert war der kleine Dreitürer-Jeep Suzuki Jimny für 750 Euro für 10 Tage. Ich hatte schon vor der Ankunft ein etwas mulmiges Gefühl, ob ich mit meinen 1,93 m da überhaupt reinpassen würde und war dann sehr erleichtert, dass wir ein Upgrade bekommen haben: ein alter, aber zuverlässiger Suzuki Grand Vitara, der sehr robust war und alles klaglos weggesteckt hat. Der hätte regulär etwa 950 Euro gekostet und ist meine Empfehlung für alle Leute über Normalmaß. Wer kleiner ist, kommt mit dem Jimny auch zurecht, ist eben etwas enger.
Straßenzustand
Viele Hochlandstraßen sind erst im Laufe des Juni schneefrei und vorher gesperrt. Ein toller Link, den ich leider erst nach der Reise gefunden habe, ist der zu Road Conditions and Weather vom Isländischen Straßenverkehrsamt. Wird mehrmals täglich aktualisiert und gibt detaillierte Infos zu jeder Straße.
Zelten in Hveravellir
Unterkunft
Camping ist fast schon Pflicht
Wer möglichst viel vom Land sehen will, sollte zelten. Entlang der Ringstraße gibt es zwar alle paar Kilometer Unterkünfte (meist privat auf kleinen Bauernhöfen o.ä.), abseits aber nicht mehr. Da muss jeder Abstecher geplant werden. Außerdem hat man viel weniger vom Tag, wenn man sich schon zu "zivilen" Zeiten um eine Unterkunft bemühen muss. Ich kann nur vermuten, dass der Bauer keine Lust hat, um Mitternacht noch mal aufzustehen, um ein Zimmer zu vermieten. Mit dem Zelt alles kein Problem. Wir fahren ins Blaue, bis wir keine Lust mehr haben, und bauen dann am Straßenrand die Zelte auf.
Jedermannsrecht
Auch Island kennt das
Jedermannsrecht der skandinavischen Länder. Camping ist außerhalb von kultiviertem Land (Weiden), Nationalparks
und Siedlungen generell überall erlaubt nicht verboten. In der Praxis heißt das, dass man wohl nie länger als eine Viertelstunde
nach einem schönen Plätzchen für das Zelt suchen muss, sei es am Strand oder auf einer Mooslandschaft neben der Straße.
Paradiesische Zustände! Ich kannte das Jedermannsrecht aus einem Schwedenurlaub, habe aber in Erinnerung, dort manchmal eine
Stunde und länger nach einem Plätzchen außer Sichtweite von Häusern gesucht zu haben. Im Vergleich dazu war Island
bedeutend unkomplizierter.
Kosten
Island ist als teures Pflaster bekannt: Im Nachhinein war alles halb so schlimm. Zelten ist kostenlos, Lebensmittel und Benzin sind bezahlbar und Eintrittspreise so gut wie unbekannt!
Unterkunft
Wer keine Lust auf Camping hat, bekommt sie vielleicht beim Blick auf isländische Hotelpreise. Weil wir uns unsicher waren, ob wir am ersten Abend im Reykjavíker Umland zelten könnten, hatten wir für die erste Nacht ein billiges Hostel reserviert. Kostenpunkt: 50 Euro pro Person im Doppelzimmer ohne eigenes Bad und Frühstück. Die Matratzen waren durchgelegen und das Wasser in der Dusche hat komisch gerochen. (Update 21.07.2007: Letzteres dem Hostel anzukreiden ist allerdings unfair, da das Warmwasser überall in Island schwefelig riecht; es kommt direkt aus der Erde.) Also eher Jugendherbergsniveau. Auch im Rest des Landes ist ein Gästezimmer nicht viel billiger. 30-40 Euro pro Person sollte man für die einfachste Kategorie rechnen.
Auch auf Campingplätzen zahlt man schnell 10 Euro pro Person, bekommt dafür aber auch ganz gute sanitäre Anlagen. Aber das muss ja nicht sein: zelten geht auch umsonst und WCs findet man entlang der Ringstraße auch an vielen Parkplätzen.
Eine kalte und regnerische Nacht im Hochland haben wir in der Dreka-Hütte bei Askja verbracht. In der Nacht hätte Zelten wirklich keinen Spaß gemacht. Die Hütte ist sehr komfortabel und toll ausgestattet (komplette Küche mit Geschirr und Gasherd, Duschen), aber auch dort fand ich 2300 ISK (28 Euro) pro Person und Nacht ziemlich happig.
Verpflegung
Der zweite Kostentreiber, wenn man nicht selber kocht.
- Auswärts essen ist teuer. Ein Imbiss kostet schon an der Tankstelle schnell 12 Euro (Hamburger mit Pommes). In Restaurants geht's für die einfachsten Gerichte bei etwa 14 Euro los, etwas "vernünftiges" (z.B. frisch gefangener Fisch) kostet eher 25-30 Euro. Immerhin ist Wasser überall kostenlos.
- Die Preise im Supermarkt sind ganz in Ordnung. Von Nudeln über Milchprodukte bis Konserven und Schokolade ist wohl fast alles 20-30% teurer als in Deutschland, aber das hält sich im Rahmen. Deutlich mehr kostet frisches Obst und Gemüse.
Auto
- Mietwagen: siehe oben
- Benzin ist ein bisschen teurer als in Deutschland. Interessanterweise war der Preis im ganzen Land nahezu konstant: 124 ISK (1,51 EUR) pro Liter Super. Diesel kostet exakt das gleiche.
Island, Land des freien Eintritts
"Blaue Lagune des Nordens"
Es liegt so nahe, und doch ist es solch ein ungewohntes Gefühl, dass wir die Verwunderung bis zum Ende der Reise nicht ablegen konnten: Keine der unzähligen Naturattraktionen kostet Eintritt! In jedem anderen Land wären mindestens 5 Euro fällig, um z.B. den großen Geysir aus der Nähe zu betrachten. Gleiches gilt für die Nationalparks. Toller Nebeneffekt: die Attraktionen sind nicht abgesperrt. Wer den Gullfoss für sich alleine haben will oder das tolle Dämmelicht für Fotos ausnutzen möchte, kann ungehindert auch nachts um 3 hinfahren.
Unrühmliche Ausnahme: die berühmte Blaue Lagune bei Reykjavík und ihr Pendant im Norden beim Mývatn langen kräftig zu: 1400 ISK, 17 Euro, kostet das Bad im warmen Wasser. Angesichts vieler kostenloser Thermalquellen im ganzen Land eine Abzocke.
Meine persönlichen Tops und Flops
Was bringe ich persönlich an Erinnerungen, positiv wie negativ, mit nach Hause? Die "Flops" in dieser Liste sind nicht im Sinne von "kann man sich sparen" gemeint, sondern ausgehend von meiner ursprünglichen, hauptsächlich durch die Reiseführerlektüre geprägten, Erwartungshaltung.
Besser als erwartet:
- 24 Stunden Tageslicht sorgen einfach für ein tolles Gefühl.
- Der Eisbergsee Jökulsarlón.
- Die Wasserfälle im Süden. Wasserfälle sehen doch alle gleich aus, hab' ich gedacht, doch Gullfoss, Seljalandsfoss und Skógafoss sind so unterschiedlich und jeder für sich beeindruckend, dass es selbst dann nicht langweilig wird, wenn man alle an einem Tag besucht.
- Whale Watching in Húsavík. Das hatten wir nicht so wirklich auf dem Zettel. Und dann: in 3 Stunden 2 Blau- und 3 Buckelwale gesehen, dabei sind letztere zeitweise direkt neben dem Boot aufgetaucht! Unglaublich! Und vergleichsweise günstig fand ich es auch: 3900 ISK, gut 45 Euro.
- Þingvellir, die schon vor über 1000 Jahren bestehende Parlamentsstätte. Hörte sich im Reiseführer für mich nicht so spannend an: einer dieser typischen Orte, die den Menschen viel bedeuten, die einen Bezug zu dessen Geschichte haben (in diesem Fall alle Isländer) und für Outsider nicht viel zu bieten haben, dachte ich. Es gibt auch nichts allzu Spektakuläres zu sehen, doch aus irgendeinem Grund habe ich mich dort sehr wohl gefühlt.
- Das Hochland im Allgemeinen und die Gegend um Askja und Kverkfjöll im Besonderen. Manch einer kann sicher mit den öden Lavawüsten im Landesinnern nichts anfangen, in die man früher die Verbrecher verbannt hat (humaner als die Todesstrafe, in den meisten Fällen aber mit demselben Effekt). Für mich waren diese Ausflüge eines der großen Highlights der Reise. Über Stunden keine anderen Menschen, keine Tiere, keine Vegetation außer vereinzelten Grasbüscheln, keine Farben außer weiß und braun schaffen ein besonderes Gefühl. Die Schneewanderung durch die Caldera von Askja war fantastisch, ebenso die Eishöhle bei Kverkfjöll.
- Auto fahren macht in Island einfach Spaß. Sei es bei null Verkehr gemütlich mit 90 km/h auf der Ringstraße, mit 50 km/h auf den kurvigen Sandpisten im Hochland oder bei nicht viel mehr als Schritttempo im Zickzack um die Steinbrocken auf den Allradstraßen. Letzteres ist allerdings stressig für den Beifahrer.
Auto fahren auf der Ringstraße
Schlechter als erwartet:
Downtown Reykjavík
- Reykjavík hat so viele Einwohner wie Paderborn und hat sich auch so angefühlt. Ich gebe zu, wir waren effektiv nur einige Stunden in der Stadt, da darf ich mir kein abschließendes Urteil erlauben -- zumal wir das legendäre Nachtleben verschlafen haben. Aber: wer der Städte wegen nach Island fährt, ist selber schuld.
- Nach all den Vorschusslorbeeren aus dem Reiseführer war Mývatn, der "Mückensee", Islands Top-Attraktion im Norden, "unterwältigend". Stimmt, die Landschaft um den See ist bizarr-faszinierend und mancher wird den geschätzt 17 verschiedenen Entenarten etwas abgewinnen können; auf der anderen Seite ist es "nur" ein See mit ein paar Lavaformationen in der Umgebung und Millionen von Mücken. Die stechen zwar nicht, nerven aber. Für mich overrated.
- Die bekannte "Blaue Lagune" wegen der schon erwähnten Abzocke (siehe oben).
- Von den ausländischen Touristen waren geschätzte 70% Deutsche. Wir sind hier doch nicht am Ballermann!
Was würde ich im Nachhinein anders machen?
Nicht viel, aber ein paar Dinge gibt es doch.
- Ein Abstecher ins Hochland reicht. Die Fahrt nach Hveravellir und zurück war nicht unbedingt nötig, die Gegend um Askja war spektakulärer.
- Reykjavík nicht am ersten, sondern am letzten Tag machen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich der Stadt mehr abgewinnen kann, wenn ich in den 2 Wochen zuvor keine Stadt mit mehr als 20.000 Einwohnern gesehen habe, als wenn ich frisch aus Berlin komme.
- Keine Unterkunft in Reykjavík buchen. Wildes Zelten ist auch im Umkreis der Hauptstadt kein Problem (siehe oben).
- Einen besseren Reiseführer kaufen. Aus irgendeinem Grund hatten wir zwei dünne Büchlein dabei, einen Marco Polo und einen Polyglott. Beide hatten so viele Lücken, dass ich nicht weiß, was uns alles entgangen ist entlang des Weges. Zur Ehrenrettung der Marco Polo sei gesagt, dass er einen exzellenten Straßenatlas hat, der allein schon den Preis wert ist. Bei kurzem Querlesen im Buchladen nach unserer Rückkehr hat mir der Islandführer aus dem Michael-Müller-Verlag am besten gefallen. Den würde ich kaufen.
Deine Meinung
Puuh, das war eine ganze Menge Text. Danke fürs Durchhalten bis zum Ende! Ich würde mich sehr über Kommentare, Ergänzungen und vor allem andere Meinungen freuen:
- Ist Reykajvík gar kein langweiliges Nest?
- Haben wir eine Top-Attraktion verpasst?
- Hätten wir die Route anders planen sollen?
- Kommt man auch ohne zu zelten gut zurecht?
- Macht es auch mit einem normalen PKW Spaß?
- ...
Update 21.07.2007: im Island-Forum hat sich eine tolle Diskussion entwickelt mit vielen anderen Meinungen, z.B. zum Thema Wild Zelten vs. Campingplatz vs. Herberge und zu der Frage, wie viel Programm man "schaffen" kann. Sehr empfehlenswert.
