Der gelbe Bleistift
von Christian Kracht (Link zum Buch bei amazon.de)
Es [war] so schrecklich langweilig, daß ich mir zehn Postkarten kaufte, die ich an Freunde in Deutschland adressierte. Auf die Karten schrieb ich mit einem schwarzen Edding-Stift in großen Buchstaben "Singapur ist furchtbar. Puuh. Ekelig." Und in ganz kleinen Buchstaben schrieb ich, mit einem Kugelschreiber an den Rand jeder Karte: "Der Erhalt dieser Ansichtskarte ist ein Beweis für die Demokratie." (...) Bis zum heutigen Tag ist keine einzige angekommen. Quod erat demonstrandum, sage ich dazu ...
Zwei Wochen, nachdem dieser Text in der Welt am Sonntag erschienen war, erhielt der Autor Einreiseverbot nach Singapur für fünf Jahre. Der Welt am Sonntag wurden alle Anzeigen von Singapore Airlines und dem Fremdenverkehrsamt Singapur storniert, auf zwei Jahre.
Von dieser Passage aus Der gelbe Bleistift habe ich gehört und das Buch deswegen gelesen. Der Schweizer Christian Kracht erzählt in atmosphärischen Geschichten von Reisen in und durch das neue Asien, ursprünglich veröffentlich in der Welt am Sonntag. Am besten sind sein Vorher-Nachher-Vergleich von Vietnam (1992: "Zu früh, zu früh"; 1999: "Zu spät, zu spät") und die Erfahrung der sooo anderen japanischen Gesellschaft.
Komisch: die dauernde Erwähnung "meiner Begleiterin", die keinen Namen bekommt und stetig gesiezt wird; die Geld-spielt-keine-Rolle-Mentalität: Kracht steigt grundsätzlich in den teuersten Hotels ab und verfährt schon mal hunderte Dollars im Taxi.
Gelesen im Januar 2003 | Edit
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