Gebrauchsanweisung für Deutschland
von Maxim Gorski, 2000 (Link zum Buch bei amazon.de)
Über Deutschland muss man förmlich stolpern. Allein schon geographisch kommt man -- zumindest als Europäer -- schlechterdings an ihm nicht vorbei, liegt es doch dick und rund mitten auf dem Kontinent.
Unter diesem Vorzeichen beginnt der Russe Maxim Gorski seine Gebrauchsanweisung für Deutschland, die sich zwar durchgängig an den interessierten Nicht-Deutschen wendet, um ihm die merkwürdigen Eigenheiten der Deutschen näher zu bringen, aber auch für diese selbst unentbehrliche Einsichten bereit hält.
Sauber wie eine Tupperdose ist für Gorski das "Himmelreich" Deutschland, aber schon die Anreise gestaltet sich alles andere als leicht: spätestens beim Versuch, ein ÖPNV-Ticket zu kaufen,
stehen Sie (hilflos) einem Automaten gegenüber, dem Sie nun ein Billet abluchsen müssen. Um es kurz zu machen: Ohne fremde Hilfe werden Sie sich selbst mit fließenden Deutschkenntnissen nicht durch den Dschungel der Tarif- und Zonenregelungen städtischer Nahverkehrsbetriebe schlagen können. ... Die Deutschen mögen sich ja manchmal nach Ihrem Verständnis aberwitzig, ja verrückt verhalten -- aber niemals tun sie etwas ohne Grund beziehungsweise ohne logische Begründung. Vielleicht erschließt dieser sich Ihnen irgendwann, aber das ist eher unwahrscheinlich und schon gar nicht notwendig.
Weiter geht's mit der Sprache, ihren ausgeprägten Dialekten ("die Deutschen selbst sprechen gar nicht deutsch") und Bandwurmwörtern ("Wenn Sie sich so manche serlöse deutsche Zeitung ansehen, dann werden Sie leicht den Eindruck gewinnen, ein vierspaltiger Kommentar bestünde aus nicht mehr als 25 Wörtern"), mit unseren Ess- und Trinkgewohnheiten. Nicht fehlen dürfen Eigenheiten wie das Ladenschlussgesetz und fehlendes Tempolimit: "Auch für das Einkaufen gilt in Deutschland, daß Sie mit Impulsivität und Spontaneität rasch an Grenzen stoßen. Shopping will geplant sein, denn in der Bundesrepublik ist genau geregelt, wann Sie einkaufen dürfen und wann nicht. Abends um acht schließt das Wirtschaftswunder". "Dieser Kampfruf [Freie Fahrt für freie Bürger] hat noch jede Bundesregierung zum Schweigen gebracht, falls sie jemals über die Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen nachdachte. Die deutsche Autolobby, zu der neben dem ADAC die Titanen des Autobaus in Wolfsburg, Stuttgart und München gehören, dürfte mehr Einfluß besitzen als die russische und amerikanische Rüstungsindustrie gemeinsam."
Die Büchlein der Gebrauchsanweisung-Reihe sind inzwischen für unzählige Länder und Regionen erschienen. In Zukunft wird die Lektüre des entsprechenden Bandes für mich zu jeder Urlaubsreise dazugehören.
Gelesen im März 2003 | Edit
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