Das Schwarz-Buch Lidl

Das Schwarz-Buch Lidl: Billig auf Kosten der Beschäftigten

von Andreas Hamann und Gudrun Giese, 2004

Wie die Lidl-Gruppe ihre Angestellten systematisch mobbt und die Gründung von Betriebsräten mit Mitteln nahe an der Grenze der Legalität zu verhindern sucht.

Mit Unterstützung der Gewerkschaft ver.di geben die Autoren Beispiele, wie Lidl auf Kassiererinnen und leitende Angestellte, die sich nicht klaglos den Ausbeutungen der Geschäftsleitung unterwerfen, systematisch Druck ausübt und systematisches Mobbing praktiziert.

Da liest man von langjährig beschäftigten Kassiererinnen, die der Firma offensichtlicht zu teuer geworden sind und durch billigere Neueinstellungen ersetzt werden sollen. Wer bei fies inszenierten Testkäufen nicht durchfällt und auch die geforderten 40 Artikel pro Minute über den Scanner zieht, dem wird kurzerhand Diebstahl unterstellt, der wird in stundenlangen Denunziationssitzungen von Vorgesetzten und Anwälten solange fertiggemacht, bis er einen Aufhebungsvertrag unterschreibt.

Da wird gefordert, dass die Frühschicht ab 6:00 Uhr im Laden ist, obwohl erst ab 7:30 Uhr bezahlt wird. Wer in der Probezeit krank wird, hat zwei Tage später die Kündigung im Briefkasten. Wenn ein Mitarbeiter sich beim firmeninternen Sorgentelefon beraten lassen will, weiß davon am nächsten Tag der Vorgesetzte.

Das Geflecht aus hunderten kleiner Einzelgesellschaften, das Lidl-Chef Dieter Schwarz geschaffen hat, verhindert wirksam, dass überregional organisierte, einflussreiche Betriebsräte gewählt werden können. Wer in einzelnen Filialen trotzdem eine Betriebsratswahl organisieren will, muss mit der Kündigung rechnen. Zu anberaumten Wahlversammlungen erscheinen nur die Vorgesetzten, um jeden zu registrieren, der aus der Reihe tanzen will.

Wirklich unglaublich, dass es heutzutage noch solche Zustände gibt. Die meisten Vorwürfe sind nicht ganz neu, aber den Autoren gebührt das Lob, zum ersten Mal eine ganze Reihe von Fällen zusammengestellt zu haben, die mich nicht mehr an Einzelfälle glauben lassen. Für mich ganz klar ein Grund, Lidl ab sofort zu boykottieren. Ob's bei Aldi & Co. wirklich viel besser ist, weiß ich natürlich auch nicht.

Aus meiner Sicht ist das informative Buch ein bisschen zu sehr mit der ver.di-Brille geschrieben worden, Betriebsräte werden als absolut unverzichtbare Elemente der demokratischen Mitbestimmung dargestellt. Aber: seit wann werden Unternehmen demokratisch geführt? Als Angestellter eines der wenigen deutschen Großunternehmen ohne Betriebsrat weiß ich, dass ein solcher durchaus verzichtbar ist, wenn dem Management an guten Beziehungen zu den Mitarbeitern gelegen ist. Bei Lidl ist das offenkundig nicht der Fall.

Update: Inzwischen gibt es von ver.di auch ein Schwarzbuch-Blog, in dem die Diskussion weitergeführt werden soll.

Gelesen im Januar 2005 | Edit

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