Digital Fortress

Digital Fortress

von Dan Brown, 1998 (Link zum Buch bei amazon.de)

Deutsch: Diabolus (2005) (Link zum Buch bei amazon.de)

Die NSA bangt um ihre weltweite Abhör- und Entschlüsselungsfähigkeit und setzt alles daran, die Veröffentlichung eines selbst für sie unknackbaren Krypto-Algorithmus zu verhindern.

Obwohl es in Deutschland erst in diesen Tagen erscheint, ist Digital Fortress Dan Browns erstes Buch, und das merkt man ihm auch deutlich an. Auf der Woge des Erfolgs von Sakrileg und Illuminati lässt es sich der Verlag natürlich nicht nehmen, noch mal Kasse zu machen, aber in meinen Augen hätte er sich das besser gespart.

Die Story: Der US-Geheimdienst NSA hat einen Supercomputer, der durch schiere Rechenpower jede denkbare Verschlüsselung innerhalb weniger Minuten knacken kann -- so denken zumindest die Geheimdienstler selber. Doch dann passiert die Katastrophe: ein japanischer Informatiker hat einen unknackbaren Algorithmus entwickelt, den er zu verkaufen droht, sollte die NSA nicht die Öffentlichkeit darüber aufklären, dass sie die gesamte weltweite Kommunikation -- ob verschlüsselt oder nicht -- abhören kann. Als der Programmierer auch noch auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, beginnt ein heftiger Wettlauf um den Schlüssel zur Dekodierung des magischen Algorithmus.

Viel macht Dan Brown aus dem interessanten Thema nicht. Die Charaktere bleiben blass, der Verlauf der Handlung ist im Vergleich zu Browns anderen Büchern viel eher vorhersehbar, dem Leser wird wenig Gelegenheit zum Miträtseln gegeben. Teilweise fühlte ich mich wie ein Kind behandelt, weil noch die größten Selbstverständlichkeiten lang und breit erklärt werden. Dazu komm Browns notorische "Cliffhangeritis", teilweise haben die Kapitel nur eine halbe Seite.

Hatte ich bei The Da Vinci Code und Angels & Demons immer den Eindruck, dass die Hintergründe sehr sauber und ausführlich recherchiert wurden (auch wenn die letztendlichen Geschichten natürlich nicht immer auf den Fakten beruhten), habe ich mich bei Digital Fortress sehr oft über Schlamperei geärgert. Viele Details bei den IT-Themen verdreht Brown komplett und er kann es nicht lassen, in die so verbreitete, aber völlig sinnfreie Techspeak zu verfallen. Da muss man sich fragen, ob Bücher zu anderen Themen auch so viel Quatsch enthalten, der mir nur nicht auffällt, weil ich mich nicht so gut auskenne. Anderer Punkt: Brown hielt es nicht für nötig, die kurzen und einfachen deutschen Dialoge von einem Muttersprachler gegenlesen zu lassen, die strotzen nur so vor Fehlern.

Genug gelästert. Einen gewissen Unterhaltungswert will ich Digital Fortress nicht absprechen und immerhin liest sich das Buch so flüssig, dass man die gut 400 Seiten sehr schnell durch hat. Aber bitte nur zugreifen, wer die übrigen Bücher von Dan Brown schon gelesen hat, die sind um Längen besser.

Gelesen im Februar 2005 | Edit

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