Laos, das vergessene Land
Laos ist ein Land, über das man im Westen praktisch nichts weiß. Dabei wurde kein anderes Land so sehr vom Vietnamkrieg in Mitleidenschaft gezogen. Obwohl offiziell neutral, mussten die Menschen unzählige und ziellose Bombardierungen ertragen.Ich kenne kaum ein Land, von dem man im Westen so wenig Notiz nimmt und genommen hat wie von Laos. Dabei müsste es als Teil der kommunistischen Welt doch eigentlich ähnlich präsent sein wie Kuba, Nordkorea, Vietnam, oder? Außerdem hatte kaum ein anderes Land jemals so sehr unter Bombardements zu leiden, auch das ist weitegehend unbekannt.
Höchste Bombendichte pro Einwohner
Während des Vietnamkrieges trugen die USA und der Viet Cong ihren Krieg auch auf laotischem Boden aus. Obwohl Laos offiziell neutral blieb, lieferten sich Agenten der CIA -- unterstützt von angeheuerten Stammeskriegern -- und Soldaten des Viet Cong auch diesseits der Grenze heftige Kämpfe. Die USA warfen in neun Jahren so viele Bomben pro Einwohner auf Laos wie auf kein anderes Land in der Geschichte, Vietnam, Deutschland und Irak eingeschlossen. Ein Grund dafür waren die Einsatzbefehle der amerikanischen Bomberpiloten, die ihnen zum Teil verboten, mit vollen Arsenalen von den Einsätzen über Vietnam zu ihren Stützpunkten in Thailand zurückzukehren. Was war da einfacher, als die überzähligen Bomben auf dem Rückflug einfach über dem laotischen Dschungel abzuwerfen?
Noch heute finden sich überall in der Landschaft Blindgänger und Bombenummantelungen, auf deren Registrierungsplaketten sich deutlich die amerikanische Herkunft ablesen lässt. Die einfallsreichen Laoten haben damit Kuhställe, Zäune und Blumentöpfe gebaut.
Geld allein macht nicht glücklich
Glaubt man den Statistikern, ist Laos eines der ärmsten Länder der Welt. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt mag das stimmen, kein Wunder in einer Volkswirtschaft, in der die größte Banknote (20.000 Kip) gerade mal 2 Dollar wert ist und in der ich mit wenig mehr als 100 Euro drei schöne Wochen lang durchs halbe Land reisen und dabei ein schönes Leben haben konnte.
Man kann Armut eben nicht nur am BIP messen. Das Land ist riesig für seine 3 Millionen Einwohner und bietet gute klimatische Bedingungen für die Landwirtschaft. Die allermeisten Familien können damit von einem kleinen Reisfeld und ein paar Tieren leben und verdienen sich durch den Verkauf der Überschüsse Geld für Kleidung etc. Auch auf den Dörfern gehen die Kinder zur Schule, das war z.B. in Kambodscha ganz anders. Sicher fehlt es stellenweise noch an Hygiene, Medikamenten usw., aber die Menschen machen auf mich einen glücklichen Eindruck -- ganz im Gegensatz zu so manchem Wohlstandsverwöhnten in der Heimat.
Oktober 2003