Chaotisches Phnom Penh
Drogen, Sex and Crime scheinen Phnom Penh auf den ersten Blick am besten zu charakterisieren. Auf den zweiten ist es eine lebhafte Stadt, in der man viel erleben kann, auch wenn (oder gerade weil) es kaum klassische Sehenswürdigkeiten gibt.
Leicht überladen?
Kambodschas Hauptstadt ist die gesetzloseste Stadt, in der ich bisher gewesen bin. In den Guesthouses geht es sehr entspannt zu: Marihuana zu bestellen ist nicht ungewöhnlicher als ein Bierchen und wer seine Pizza nicht "extra happy" (mit Gras statt Oregano, $1 Aufpreis) haben will, wird schon fast ungläubig angesehen. Auch Prostituion wird sehr viel offener verkauft als z.B. in Bangkok, fast jeder Mototaxifahrer nimmt wie selbstverständlich an, dass man auf der Suche nach "very young girls" sei.
Kriegsgut-Recycling
Ein Relikt früherer Zeiten ist ein Überangebot an Waffen, für die es heute glücklicherweise keine Verwendung mehr gibt. Was liegt da näher, als das Zeug zum Zeitvertreib zu benutzen? Wer möchte, kann auf der Shooting Range für ein paar Dollar mit einer Kalaschnikow rumballern. Wer's härter mag, muss $20 für einen Schuss mit der Panzerfaust investieren... -- der Kick für die, denen Videospiele zu unrealistisch sind?
Ich-AG
Gruselkabinett der Attraktionen
Die zwei größten Touristenattraktionen der Hauptstadt zeigen das Vermächtnis der Schreckensherrschaft der Roten Khmer: das Foltergfängnis Tuol Sleng, eine ehemalige Grundschule, und die Killing Fields von Choeng Ek.
Klassische Sehenswürdigkeiten sind in Phnom Penh also eher dünn gesät. Für mich das ganz normale Treiben auf den Straßen und Märkten allerdings so faszinierend, dass es einfach nur Spaß gemacht hat, den ganzen Tag über mit dem Mietmoped in den chaotischen Verkehr einzutauchen, ohne Vorfahrtsregeln in riesige Kreuzungen zu fahren und fröhlich mitzuhupen, die verbliebenen französischen Kolonialbauten an der Flusspromenade anzuschauen, auf dem Russenmarkt durch illegale DVDs zu stöbern und im Guesthouse am See den Sonnenuntergang zu genießen.
Ein tolles Erlebnis war es, drei bettelnden Jungs auf dem Markt jeweils eine Handvoll Reis und ein kleines Würstchen zu kaufen. Die drei haben sich gefreut wie die Schneekönige und sich mindestens zehnmal bedankt.
Fahren ohne Nummernschild
Mönchexpress
Wer sich in Phnom Penh ein Motorrad mietet, sollte etwa einen Strafzettel pro Tag mit einkalkulieren. Dabei ist es unerheblich, ob man sich an die Regeln hält oder nicht, die gelangweilt an den Kreuzungen stehenden Polizisten picken sich regelmäßig jemanden raus und suchen dann solange herum, bis sie irgendetwas zu bemängeln finden. Sehr "fair" ist das insofern, dass sie sich mitnichten nur auf die Touristen zu stürzen scheinen, sondern wirklich jeder einmal drankommt.
Ich wurde zweimal angehalten. Mit einigen Brocken Englisch nannte man mir meine Verstöße: einmal war's Fahren mit Licht am hellichten Tage, einmal Fahren auf einer Straße, die für Motorräder gesperrt war -- wobei während der fünfminütigen Diskussion mit den Polizisten mindestens 100 Mopeds an uns vorbeigefahren sind. Dabei hätte man mir für alle möglichen richtigen Verstöße das Geld aus der Tasche ziehen können, schließlich hatte mein Moped kein Nummernschild und nur eine funktionierende Bremse. Aber darum geht es gar nicht, die Polizisten wollen sich nur ihr kärgliches Gehalt ein wenig aufbessern.
Dazu passt dann auch, dass die Strafe mehr Verhandlungssache ist als alles andere. Ich bin beide Male mit jeweils einem Dollar davongekommen (erste Forderung: $5), das war der Spaß sicher wert!
Oktober 2003

