Si Phan Don: Seele baumeln lassen am Mekong
Während der Regenzeit schwillt der Mekong an der laotisch-kambodschanischen Grenze auf bis zu 14 km Breite an und bildet dabei ein riesiges Archipel hunderter kleiner Inseln in seiner Mitte (Si Phan Don wörtlich: viertausend Inseln). Genau das Richtige, um sich in der Hängematte von den kambodschanischen Straßen zu erholen. Doch vorher wartet noch ein Grenzübergang mit Hindernissen.Offiziell dürfen Ausländer die Grenze zwischen Kambodscha und Laos nur auf dem Luftweg überqueren -- der Grenzübergang am Mekong ist den Einheimischen vorbehalten. Da ich weder den Nordosten Kambodschas noch den Süden Laos' verpassen wollte, hätte ein Flug von Phnom Penh nach Vientiane einen Umweg von mehreren Tagen bedeutet -- ganz abgesehen vom zweifelhaften Ruf der Lao Aviation als angeblich gefährlichste Fluggesellschaft der Welt.
Reisepassabstempelgebühr
Selbstporträt bei Fahrtwind
Die Erfahrung lehrt, dass solche recht willkürlichen Regularien in manchem Land recht flexibel ausgelegt werden, wenn der eine oder andere Dollar den Besitzer wechselt. Ermutigt von einigen Berichten anderer Reisender -- die ja leider nur vom Erfolg des Vorhabens in der für uns falschen Richtung berichten konnten -- entschlossen wir uns letztlich auch, in den sauren Apfel der Bestechung zu beißen -- natürlich immer mit dem flauen Gefühl der Unsicherheit im Magen, wie die Beamten reagieren würden.
Mit dem Speedboat dauert die Fahrt auf dem Mekong von Stung Treng zur Grenze eine knappe Stunde und kostet ca. 5 Dollar pro Person. "Speed" ist dabei wörtlich zu nehmen, denn das flache Boot rast mit etwa 70 km/h und ohrenbetäubender Lautstärke über das Wasser, dass mir auf einmal hart wie Asphalt vorkommt. Nicht auszudenken was passieren würde, wenn unser Fahrer aus Versehen einen Stein oder einen Baumstamm erwischen würde. Von den Speedboats rät jeder Reiseführer übrigens ebenso ab wie von der Buchung bei Lao Aviation, aber leider gab's keine andere Möglichkeit. Zum Glück ist alles gutgegangen.
Dämmerung auf Don Det
Der kambodschanische Beamte in seinem kleinen Grenzhäuschen nimmt unsere Pässe an sich und verschwindet eine halbe Stunde im stillen Kämmerlein -- ich schätze mal zum Zeitunglesen, aber um die geforderte Bestechung zu rechtfertigen, muss ja wenigstens so getan werden, als würde die Bearbeitung richtig Arbeit machen. Der Ausreisestempel kostet uns schließlich 2 Dollar, günstiger als erwartet, dafür ist nicht nur Protestieren, sondern auch Handeln zwecklos. Eine Begründung für die "Gebühr" gibt es nicht, da ist der laotische Grenzer schon einfallsreicher: uns wird ein Schild mit den Öffnungszeiten der Grenze vor die Nase gehalten und da wir die Frechheit besitzen, ihn an einem Samstag zu stören, werden 3 Dollar "Overtime"-Gebühren fällig, ebenfalls nicht verhandelbar. Keine Ahnung, was er sich für die ausdenkt, die werktags zwischen 9 und 4 kommen, aber ich bin sicher, die Begründungen gehen nicht aus. Fazit des Abenteuers: Geld gespart, aber das ungute Gefühl, die Korruption zu unterstützen, bleibt. Und der richtige Rip-off kommt erst noch mit dem Transport von der Grenze nach Don Det: totale Abzocke, leider unvermeidbar, da die einzige Option weit und breit!
Viertausend Inseln
Don Det ist ein hübsches kleines Inselchen und die Touristenhochburg von Si Phan Don. Trotzdem gibt es weder Strom noch Telefon noch fließend Wasser, eine kleine Oase der Ruhe. Jeder Bungalow hat seine Hängematte, in denen wir unseren Rücken einige Tage Erholung von den kambodschanischen Buckelpisten gönnen. Sonstige Beschäftigung: für 80 Cent pro Tag leiht man sich ein Fahrrad, erkundet die Insel, besucht einen imposanten Wasserfall oder bestaunt die verrostete kleine Eisenbahn, die die Franzosen hier vor Jahr und Tag mal gebaut haben. Oder man tut's den Kindern und Wasserbüffeln gleich und lässt sich in der braunen Suppe des Mekong flussabwärts treiben. Das juckt zwar ein bisschen und birgt Gefahren wegen unter der Wasseroberfläche lauernden Baumkronen, macht aber einen Heidenspaß!
Oktober 2003

