Stadt in den Wolken

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Sonntag, 18. August 2002

Stadt in den Wolken

Wohl nur wenige Städte wirken bei der Ankunft so spektakulär wie Quito. Auf 2.800 m Höhe in einem etwa 5 km breiten und 35 km langen Talkessel gelegen, geht es auf den Einfallstraßen sogar noch höher hinaus. Mein Bus ist etwa eine Stunde vor der Ankunft durch die untere Wolkendecke gefahren; der restliche Weg bot spektakuläre Blicke auf sonnige Gipfel, verlassene Dörfer, klapprige, sich den Berg hochquälende LKWs (gut, die hat man auch schon vorher gesehen) und die ersten Ausläufer der Stadt.

Skyline von Quito

Skyline von Quito

Irgendwie erwartet man in dieser Umgebung eher ein kleines Bauerndorf als eine Millionenstadt. Wie sich die hunderttausende Häuser in das Tal quetschen, ist dann auch ein unbeschreiblicher Anblick. Obwohl die Gegend sehr hügelig ist, wird mit sehr steilen Straßen auch die letzte Ecke noch erreich- und bewohnbar gemacht.

Für eine Unterkunft bin ich einer Empfehlung meines Reiseführers gefolgt und bin damit sehr gut gefahren. Meine Pension ist ein umgebautes Wohnhaus mit gerade mal vier Zimmern, die die Besitzerin vermietet. Zusätzlich zum eigenen Zimmer mit separatem Bad gibt's ein großes Wohnzimmer mit Radio und TV und natürlich eine Küche, die jeder benutzen darf. Das Ganze hat also mehr WG- als Hotelcharakter. Momentan wohnt dort noch eine Spanierin, die ihre Diplomarbeit schreibt, und eine Deutsche, die ebenfalls zum Spanischlernen hier ist. Inklusive warmem Wasser (im Gegensatz zu Guayaquil in Quito ein Muss) kostet der Spaß $5 pro Nacht, ein echter Spottpreis. Dafür liegt das Haus zwar nicht unbedingt zentral (am Berg der La Gasca ziemlich weit oben für die, die sich auskennen), aber tagsüber kann man noch in die Stadt laufen (knapp 30 min) oder für 20c den Bus nehmen und abends ist aus Sicherheitsgründen sowieso Taxifahren angesagt. Die Adresse für Interessierte: Casapaxi, Navarro 364 y La Gasca.

Das Busfahren macht mir dabei am meisten Spaß. Haltestellen gibt es nur für el Trole, einen elektrifizierten Bus, der auf der Hauptader auf größtenteils eigenen Spuren einmal quer durch die Stadt fährt, also eine Art verkappte Straßenbahn ist. Alle anderen Busse haben ihre Routen an der Windschutzscheibe angeschlagen, Ein- und Aussteigen kann man an beliebigen Stellen: einfach kurz den Arm ausstrecken, damit er etwas langsamer fährt, und aufspringen (die Türen sind immer offen).

Quito selbst ist eine zweigeteilte Stadt. Die koloniale Altstadt, schon seit über 20 Jahren Weltkulturerbe, besteht aus unzähligen Kirchen, wunderschönen alten Häusern und engen Gassen, die sich über das hügelige Land ständig hoch und runter schlängeln. Neben Sightseeing ist die Altstadt mit ihrer Vielzahl an Straßenmärkten vor allem zum Shopping bestens geeignet. Das neue Zentrum Quitos ist auch das touristische, mit vielen Hotels, Restaurants und Shopping Malls. In einem Komplex von etwa 5x10 Häserblocks (von den Quiteños auch gringolandia genannt), den es in ähnlicher Weise wohl inzwischen in jeder Metropole gibt, wechseln sich billige Unterkünfte, Restaurants für jeden Geschmack und unzälige Internetcafés ab; nicht überraschend, dass hier fast jeder Englisch spricht und man als gringo auch oft direkt auf Englisch angeredet wird.

Von der vermeintlich gesunden Höhenluft bleibt leider vor lauter Abgasen überhaupt nichts übrig – eventuelle Atembeschwerden dürften mit Sicherheit nicht auf dünne, sondern auf dicke Luft zurückzuführen sein. Dafür hatte ich bisher wie in Guayaquil mit Kriminalität keine Probleme, obwohl ich mich inzwischen schon mehrmals mit dem Bus verfahren habe und in eher verlassenen Vierteln gelandet bin. Die Leute sind freundlich, die Polizeipräsenz groß und ganz allein ist man eigentlich nirgends.

22:28

Kommentare

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Bisherige Kommentare

Roger am 19. August 2002 17:22:

Hi Ole,

Mann oh Mann, das hoert sich ja spitze an. Da kann ich hier bei meinem Buerojob nur neidisch werden, aber ich will mich nicht beklagen.
Also weiterhin viel Spass und schreib fleissig Berichte, denn die sind eine willkommene Abwechslung zwischendurch.

Gruesse
Roger


Matthias Schuster am 19. August 2002 22:16:

Ole, ich sage Dir du hast Dir das richtige Land ausgesucht. Bevor ich nach Passau ging war ich acht Wochen da. Bin mit meinen Rucksack getourt und habe die Schulbank gedrückt (ich konte vorher kein Wort Spanisch)eine super Zeit.

Wenn Du Zeit hast erkundige Dich mal nach Reisen zu den Galapagos-Inseln. Das ist der Traum (leider nicht billig) aber sehenswert. Ich schau mal in meinen alten Unterlagen nach meiner Reiseagentur.

cu matthias


Sebastian am 21. August 2002 03:52:

Viel Spaß in Südamerika und vielen Dank für deine Mail! Drück uns heute Abend beim dt.-bulg. Abend die Daumen! ;-)


Madeleie am 9. Januar 2005 18:52:

Kenn dich zwar nicht, wollte aber nur sagen, dass das Land total toll ist!!!
Ich war letztes Jahr dort,mit meinem Vater. wir waren in den Anden, bei den Indianern und alles ohne die ganzen Touris da wir dort Leute kennen.
Und auf den Galapagos-Inseln waren wir auch,dort ist es super...
mfg madeleine


dodo am 20. Dezember 2005 21:56:

hallo nochmal,
ich war zuletzt 2 monate im letzten jahr in quito und ich muss sagen die kriminalität hat stark zugenommen. ich habe sehr häufig mit europäern gesprochen die überfallen wurden. uns wurde dringend geraten das wahrzeichen quitos, den engel auf dem hügel, nur mit taxi zu besuchen und auch vor teilen der altstadt wurden wir, bei einem spaziergang dort, eindringlich gewarnt. mit zunehmender armut + arbeitslosigkeit steigt die kriminalität. gringos sind nach einbruch der dunkelheit gefährdet. am besten mit einer gruppe ausgehen.

ich weiß ja nicht ob dich das jetzt noch interessiert. vielleicht aber menschen die, wie ich, zufällig auf dieser informativen seite landen.

freundliche grüße aus z.zt. düsseldorf


Steffen am 18. Juli 2007 00:07:

Hallo.

ich war ende 2006 in quito und kann meinem vorreder nicht beipflichten. insbesondere möchte ich aber die hier beschriebene unterkunft CASAPAXI als sicher und zuverlässig hervorheben. luigina fossati vermietet noch immer besonders günstig und ist darüberhinaus bei allem erdenklichen überdurchschnittlich behilflich. mir ist während meiner südamerikareise weder in quito, lima, la paz, asuncion, buenos aires, montevideo noch sao paulo, rio de janeiro oder santiago de chile die immer wieder beschriebene gefährlichkeit begegnet. vielleicht lag es auch daran, daß ich nicht unbedingt begehrlichkeiten zur schau gestellt hab. ratsam ist der zusammenschluß mit anderen globetrottern, sei es auch nur temporär, aber das wissen ja alle reisenden selbst, unabhängig ihrer herkunft... VUELVE LA ESPERANZA - ich empfehle südamerika ausschließlich positiv als besucherfreundlich und erlebniswert! unabhängig von gerüchten und erzählungen die man doch nur immer von dritten hört. mir ist auf meiner reise niemand begegnet, der bösartigkeiten aus eigenem erlebnis schilderte. lediglich angeblich nachgesprochene schilderungen in "stille post" manier haben immer glaubensbedenklich inhaltlichen charakter. reist - so viel und lang ihr könnt - und seht euch die welt mit eigenen augen an. oder glaubt den schnickschnack und bleibt in eurer bude hocken. denn schließlich ist die lage auch in alemania ziemlich ungesichert, sobald man vor die haustür tritt... :o)


Ole am 18. Juli 2007 00:31:

Steffen, schön auch mal diese Seite der Medaille zu hören. Danke für den Kommentar.