Hong Kong im Juli 2001

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Sonntag, 1. Juli 2001

Karaoke

Karaoke ist vielleicht die liebste Freizeitbeschäftigung der Chinesen – nicht nur zum abendlichen Vergnügen, sondern für viele meiner Kollegen auch in der Mittagspause. Es gibt unzählige Bars, in denen man einfach zum Mikrofon greifen und vor versammelter Gesellschaft lossingen kann, aber auch ganz spezielle Karaoke-Boxen. In letzteren bekommt jede Gruppe ihren eigenen schalldichten Raum mit Großbildfernseher, sodass sich niemand vor Fremden prostituieren muss. Während die kleinen Bars normalerweise fast nur chinesische Lieder im Angebot haben, hat man in den großen Läden auch eine große Auswahl englischer Klassiker.

Karaoke bei Anne und Pia Karaoke bei Anne und Pia Karaoke bei Anne und Pia

Einen Karaoke-Abend kann man auch privat veranstalten, ein dafür nötiger VCD-Player steht in praktisch jeder Wohnung. Ist billiger und fast genauso spaßig.

Stimmbänder ölen bei La Placita

Obwohl es nur wenige schlechtere Sänger als mich auf diesem Planeten gibt, hatte ich wider Erwarten einen Riesenspaß beim Karaoke. Niemand stört sich übermäßig an falschen Tönen, man hat einfach eine Menge Spaß und kann locker die ganze Nacht damit verbringen. In Hong Kong ist's allerdings ein teures Vergnügen.

Daniel und Marc Isa und Nils Christian und Nils Christian und Nils Christian Romy Ole und Christian Marc Nils und Daniel Ole Daniel Christian und Stefan Christian Christian Christian Ole Daniel und Isa Isa Romy Romy und Christian

Jeder kommt mal dran!

Solo von Nils: "You can leave your hat on"

10:15 | (0) | Kommentieren | Permalink


Samstag, 7. Juli 2001

Shenzhen

Der Charakterisierung von Shenzhen im Lonely Planet ist eigentlich nichts hinzuzufügen: "Shenzhen was no more than a fishing village until it won the equivalent of the National Lottery and became a Special Economic Zone in 1980 [übrigens die erste in China, nicht zu verwechseln mit dem Status einer Sonderverwaltungszone, den Hong Kong innehat]. Developers added a stock market, glittering hotels, office blocks and a population of two million to the existing fish market ... Shenzhen has no doubt been a fabulous commercial success [die Stadt hat von der Nähe zu Hong Kong profitiert; die meisten Industrieunternehmen haben ihre Produktion über die Grenze verlagert], but it's a place without culture and spirit ... In other words, if it's high rises and the high life you want, stay in HK, and if you want history, anywhere else is an improvement"

Wer jetzt noch weiterlesen möchte, hat schon die richtige Einstellung: was soll's, lass uns trotzdem mal hinfahren, ist ja nicht weit. Shenzhen liegt nämlich direkt hinter der Grenze Hong Kongs zu Festlandchina, gerade einmal eine halbe Stunde mit dem Zug. Und es ist alles wahr: die Stadt ist hässlich, hat für Touristen nichts zu bieten und ist zudem weit entfernt von der Erfahrung des "wirklichen China". Trotzdem kann Shenzhen einen Besuch wert sein. Und das ist ganz wörtlich zu nehmen: es ist billiger als Hong Kong. Hundert Meter hinter der Grenze stehst du schon in einer riesigen Shopping Mall, ideal für alle Arten von Kitsch, Klamotten, Schuhen (leider nur bis Größe 45), CDs, DVDs – im Regelfall (natürlich) gefälscht. Kleine Kostprobe: DVDs für 12 Yuan (= 3 DM), CDs für 5. "Adidas"-Rucksäcke 30 Yuan.

Schneidern nach Katalog Kritische Vermessung Kritische Vermessung Kritische Vermessung Kritische Vermessung

Geschneidert wird nach Foto bzw. Zeichnung, nicht nach Schnittmuster.

Eigentliches Hightlight für uns war aber das Einen-maßgeschneiderten-Anzug-für-wenig-Geld-kriegen-ohne-ein-Wort-Chinesisch-zu-können-Abenteuer. Schneider hat's genügend in dem Einkaufszentrum und da Christian schon mit einer Empfehlung von einer Kollegin ausgestattet war, hatten wir auch gleich eine Anlaufstelle. Da standen wir also im Miniladen Nr. 4299 von Ken Cho, er kann kein Englisch, wir weder Mandarin noch Kantonesisch. Durch Zeigen auf seine Auslagen haben wir ihm dann aber recht schnell mitteilen können, weswegen wir hier sind. Die erste Musterung per Augenmaß dauert nur eine Sekunde und schon haben wir ein Stückchen Papier in der Hand mit normalen arabischen Zahlen und jeweils einem Schriftzeichen dahinter. Dass es bedeuten sollte, dass Christian für einen Dreiteiler 3,2 m Stoff und ich 3,8 m brauchen, haben wir erst später rausgekriegt. Die erste Aufgabe hieß jedenfalls selbstständig Stoff zu kaufen, dafür gibt's einen extra Stoffmarkt zwei Stockwerke weiter oben. Umschauen, aussuchen, handeln, wie "normales" Einkaufen geht, wissen wir ja inzwischen. Ist also kein Problem. Die Gebote tauscht man dabei i. d. R. mit Hilfe eines Taschenrechners aus, da man nicht miteinander reden kann. Soll heißen: die Verkäuferin tippt einen viel zu hohen Preis ein, du schaust sie daraufhin total entgeistert an und bietest deinerseits etwa 20%. Am Ende einigt man sich dann zufrieden irgendwo in der Mitte.
Zurück bei Ken werden wir auf zwei Hockern platziert und mit ausländischen Modekatalogen versorgt. Geschneidert wird hier nämlich nicht nach Schnittmuster, sondern nach Foto: du suchst dir dein Wunschmodell im Katalog aus und Ken zeichnet es sich sorgfältig ab. Wahlweise natürlich auch mit eigenen Variationen, wenn dir Boss und Armani noch nie gefallen haben. Motto: "Das Modell von Versace bitte, aber die Knöpfe bitte so wie bei diesem hier." Zum Schluss werden wir ausgemessen, kriegen eine lustige Quittung mit allen Daten inkl. Stoffmuster und werden gebeten, in ein paar Stunden noch mal wiederzukommen. Dann ist ein erster "Prototyp" fertig und wird für kleine Korrekturen noch mal anprobiert. Eine Woche später können wir die fertigen Anzüge dann abholen. Preis: etwa 150 DM für einen dreiteiligen Anzug inkl. Stoff. Das ist viel billiger als in Hong Kong und lohnt sich, obwohl man ein zweites Mal nach Shenzhen und damit die Visagebühr löhnen muss.

Erste Anprobe Erste Anprobe Erste Anprobe Erste Anprobe

Nach der ersten Anprobe sind alle zufrieden.

Außer Shopping haben wir auch noch einen kleinen Stadtrundgang gemacht. Dabei haben wir eine Kartrennbahn entdeckt und uns kurzerhand entschlossen, ein paar Runden zu drehen. War echt lustig, vor allem der Umstand, dass die Bahn im 7. und 8. Stock eines Hochhauses untergebracht war. Und natürlich viel billiger als in Hong Kong.

Schaufenster des örtlichen Zahnarztes Gedrängel am Bahnhof

Transparenz beim örtlichen Zahnarzt: Der Behandlungsraum ist direkt hinter dem Schaufenster · Typisch chinesisch: Riesengedränge am Bahnhof, sobald die Tore geöffnet werden. Dabei kommt doch jeder mit.

Shenzhen erreicht man von Hong Kong über die KCR von Hung Hom Station in Kowloon bis nach Lo Wu. Fahrtzeit etwa 30 Minuten. Es besteht generell Visumpflicht. Wer jedoch nur für einige Stunden nach Shenzhen will und es versäumt hat, einige Tage vorher in Hong Kong ein Visum zu organisieren, bekommt noch an der Grenze eine Aufenthaltsgenehmigung für 24 Stunden in der Sonderwirtschaftszone Shenzhen. Ist etwas teurer als das Visum, aber unkomplizierter.

Unser Schneider: Kens Tailor, im Einkaufszentrum hinter der Grenze im 4. Stock (in China zählt das EG als 1. Stock), Geschäft Nr. 4298. Wer Ken eine Riesenfreude machen will, bringt ihm aus Deutschland einen Quelle-Katalog oder so mit für neue Inspirationen.

20:16 | (4) | Kommentieren | Permalink


Mittwoch, 11. Juli 2001

Kultur

Von einer solchen Metropole wie Hong Kong würde man erwarten, dass dort hochgradige Konzerte, Musicals, Theateraufführungen und andere Events am laufenden Band stattfinden. Aber weit gefehlt. In Bielefeld gibt's wahrscheinlich mehr international hochkarätige Popkonzerte als hier. Die Chinesen scheinen nicht darauf zu stehen und sehen lieber ihre eigenen Stars, die eine Riesenhalle dann schon mal mehrere Abende nacheinander füllen (wie zuletzt Andy Lau eine Woche lang im Coliseum).

Ich hab letztens dann doch noch zwei tolle Auftritte gesehen, und zwar David Copperfield und eine Aufführung von Miss Saigon.

Copperfield ist mit seiner neuen Show "Portal" gerade auf Asien-Tournee und obwohl die Tickets verdammt teuer waren und wir im riesigen Hong Kong Coliseum praktisch in der letzten Reihe saßen, war es ein tolles Erlebnis. Leider ist er nicht geflogen, aber auch die anderen Tricks sind so professionell gemacht, dass man sich beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie er das macht.

Miss Saigon wurde im Hong Kong Cultural Centre aufgeführt, dem hässlichen braunen Gebäude in Wellenform direkt am Pier in Tsim Sha Tsui. Wie schade, dass sie dafür den Bahnhof abgerissen haben, von dem jetzt nur noch der Uhrentum steht. Innendrin ist es aber ganz nett und der große Theatersaal ist sehr schön. Während Copperfield einen Simultanübersetzer mit auf der Bühne hatte (was überflüssig war, die Leute haben über seine Scherze immer schon gelacht, bevor der Übersetzer bei der Pointe angelangt war), wurden zu Miss Saigon chinesische Obertitel eingeblendet, wir wurden also nicht von Sachen gestört, die wir nicht verstehen konnten.

Update: Den ganzen Sommer gab es keine vernünftigen Popkonzerte und dann das: Robbie Williams kam, was für ein Ereignis! Dummerweise am 18. Oktober, genau einen Tag nach meiner Abreise. Schade, da wäre ich wirklich gerne hingegangen!

15:14 | (2) | Kommentieren | Permalink


Samstag, 14. Juli 2001

Olympia in Peking

Gestern hat Peking vom IOC die Olympischen Spiele 2008 zugesprochen bekommen. Da würde man doch erwarten, dass das ganze Land ordentlich feiert, eben auch Hong Kong. Um's kurz zu machen, die Stadt scheint sich nicht recht um das Thema zu kümmern. Zwar feierten die Zeitungen heute Pekings Erfolg, aber Partys auf den Straßen oder in den Kneipen gab es keine.

Wie üblich sorgen sich die Hong Konger mehr um ihr Geschäft als um Politik und Sport; folglich hat die Tourismusbehörde bereits angefangen zu planen, wie sie für Hong Kong ein möglichst großes Stück des fetten Olympiakuchens an Land ziehen kann.

18:12 | (0) | Kommentieren | Permalink


Samstag, 14. Juli 2001

Sai Kung Island Hopping

In der Bucht vor Sai Kung gibt es einige kleine Inseln zu erkunden. Die meisten von ihnen sind ganz oder fast unbewohnt und nicht mit Linienfähren erreichbar; entsprechend ist es ein bisschen schwieriger hinzukommen, dafür hat man die Inseln dann in der Regel auch für sich allein.

Sai Kung Island Hopping Sai Kung Island Hopping Sai Kung Island Hopping Sai Kung Island Hopping

Sampans kann man auf Sai Kungs Hafenpromenade chartern. In der Gruppe von vier oder mehr Leuten und mit einigem Verhandlungsgeschick geht das auch zu vertretbaren Preisen.

Sai Kung Island Hopping Sai Kung Island Hopping Sai Kung Island Hopping Sai Kung Island Hopping

Unser erstes Ziel heißt Yim Tin Tsai, auf der es noch einige Häuser gibt, die aber so verfallen sind, dass sie offensichtlich nicht mehr bewohnt werden. Überraschenderweise sind wir dann doch ein paar Kindern begegnet. Scheint, als würde die Schule des Dorfes noch benutzt und die Kinder täglich mit der Fähre hin- und herbefahren. Die Insel ist komplett katholisch und damit ein echtes Unikat in Hong Kong. Die Kapelle auf einem Hügel im Zentrum haben wir leider nur von weitem gesehen, weil wir uns verlaufen hatten. Und dann mussten wir schon wieder zurück, weil wir mit unserem Kapitän nur eine halbe Stunde Wartezeit vereinbart hatten. Schade.

Sai Kung Island Hopping Sai Kung Island Hopping Sai Kung Island Hopping Sai Kung Island Hopping

Unser zweiter Stop bot eine ähnliche Erfahrung. Das Dörfchen am Pier war wie ausgestorben und total verwahrlost (aber der Badestrand war bewacht, es muss ja alles seine Ordnung haben), die in unseren Karten eingezeichneten Wanderwege nicht mehr existent (oder wir haben sie nicht gefunden). Egal, sind wir eben am Strand entlang gewandert, um zu einem kleinen Tempel zu gelangen, den es angeblich dort geben sollte. Auch den haben wir nicht gefunden, irgendwann war der Weg einfach zu Ende. Aber was soll's, es war ein netter Tag. Und wer würde so eine ablegene Welt in 20 km Entfernung von einer Siebenmillionenstadt erwarten?

Sai Kung Island Hopping Sai Kung Island Hopping Sai Kung Island Hopping Sai Kung Island Hopping

Für weitere Infos zu den vielen kleinen Inseln bei Sai Kung empfehle ich einen Blick in den Lonely Planet, der das alles sehr gut beschreibt. Die Karte in meinem Lonely Planet ist allerdings falsch beschriftet. Vielleicht ist das in einer neuen Auflage behoben.

22:16 | (0) | Kommentieren | Permalink


Samstag, 14. Juli 2001

Tintenfischfischen

Etwa alle drei Monate veranstaltet die Firma eine Freizeitaktivität für alle Mitarbeiter und Familien. Heute stand ein traditionelles Tintenfishfangen ("Cuttlefish Catching") auf dem Programm.

Tintenfischfangen Tintenfischfangen Tintenfischfangen

Wir trafen uns spätnachmittags zu einem sehr leckeren Seafood-Essen in einem teuren Restaurant in Sai Kung in den New Territories. Nach dem Essen verteilten wir uns dann am Pier auf zwei gecharterte Boote und fuhren aufs Meer hinaus. Tintenfische fängt man auf eine besondere Art und Weise. Nach Einbruch der Dunkelheit wird mit starken Scheinwerfern ins Wasser geleuchtet; die Tintenfische sollen von dem Licht angeblich wie Insekten angelockt werden. Nun kriegt jeder eine Angelschnur mit einer Art Enterhaken in die Hand gedrückt. Leider konnte man im Wasser rein gar nichts sehen, sodass die Ganze Angelegenheit ein reines Glücksspiel war: Haken reinschmeißen, wieder hochziehen und hoffen, dass zufällig einer dran hängen bleibt. Die erste halbe Stunde war das ja noch ganz lustig. Es hat aber nie einer angebissen. Mit 50 Leuten haben wir in geschlagenen drei Stunden exakt sieben Tintenfische gefangen, von denen keiner länger war als 15 cm. Enttäuschendes Ergebnis. Zum Glück hatten wir uns vorher satt gegessen.

23:36 | (0) | Kommentieren | Permalink

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