Menschliche Schicksale in Laos

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Menschliche Schicksale in Laos

Mit seinen Grenzen zu China und Birma ist der Norden Laos' eine beliebte Station für Fluchten nach Thailand. Eine angstmachende Bekanntschaft mache ich in Luang Namtha.

Im Guesthouse treffe ich auf dem Flur einen etwa 30jährigen Chinesen, der ziemlich abgekämpft und nervös aussieht. Mit zitternden Händen hält er seine Zigarette und fragt mich aus, wo ich herkomme (Luang Prabang), ob ich die Busroute nach Thailand kenne (nur vom Lesen, selbst gefahren bin ich sie nicht), ob die Straßen durch Checkpoints gesperrt sind (habe ich nicht erlebt, aber davon gelesen) und lauter so komische Sachen.

Ein chinesischer Häftling auf der Flucht

Ich leihe im meinen Reiseführer und als er ihn mir zurückgibt, kommen wir näher ins Gespräch. Ich wollte eigentlich nicht weiter fragen, aber der Chinese suchte scheinbar jemanden, dem er seine Geschichte erzählen konnte.

Er gebe sich in Laos als Südkoreaner aus, sei aber in Wirklichkeit aus einem chinesischem Gefängnis geflohen. Als Soldat sei er nach Tibet versetzt worden und hätte dort die Aufgabe gehabt, regimefeindliche Personen abzuhören und zu bespitzeln. Als einer seiner Freunde wegen der Verbreitung hetzerischer Schriften verhaftet worden und dem Soldaten befohlen worden sei, den Freund zu misshandeln, hätte er sich geweigert und sei dafür verhaftet und grausam gefoltert worden. Fünf Jahre sei er bis jetzt in Haft gewesen, hätte keinerlei Kontakt zu seiner Familie gehabt, die habe wahrscheinlich nicht einmal gewusst, was mit ihm geschehen sei. Auf einer Überführung in ein anderes Gefängnis sei ihm dann die Flucht geglückt, er habe sich bis nach Guangzhou durchgeschlagen und dort habe ihm ein freundlicher Engländer genug Geld gegeben, um bis nach Thailand zu kommen.

In Laos noch nicht in Sicherheit

Nun hätte er es zwar bis über die Grenze nach Laos geschafft, sei damit aber noch längst nicht in Sicherheit. Sofort würde er an den großen kommunistischen Bruder ausgeliefert werden, würde man ihn hier festnehmen. Er gehe aus Sicherheitsgründen nur einmal am Tag nach Einbruch der Dunkelheit vor die Tür, um Lebensmittel zu kaufen, und habe bisher das Glück gehabt, von niemanden nach seinem Pass gefragt worden zu sein. Nun versuche er, heil nach Thailand zu kommen mit dem Ziel, in einer westlichen Botschaft in Bangkok Asyl zu beantragen.

Das Grenzgebiet um Luang Namtha wird von der laotischen Polizei sehr streng bewacht, da es wohl eine ganze Menge Flüchtlinge aus China und Birma gibt. Entsprechend nervös war der Chinese vor seiner Weiterreise. Ich konnte ihm leider nicht allzuviele Tipps geben.

Happy End oder nicht, ich weiß es nicht

Auf meiner Busfahrt in Richtung Grenze passieren wir zwei Checkpoints, an denen die Pässe der Insassen kontrolliert werden. Ich hoffe, meine Bekanntschaft hat sich für eine andere Route entschieden und hat es geschafft, durch den Mekong zu schwimmen, der die Grenze zwischen Laos und Thailand bildet. Ich habe davor zurückgeschreckt, ihm meine E-Mail-Adresse zu geben und weiß deswegen nicht, wie es ihm ergangen ist.

Oktober 2003

 

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