Das Vermächtnis der Roten Khmer

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Das Vermächtnis der Roten Khmer

Geschätzte 2 Millionen Landsleute haben die vierjährige Schreckensherrschaft der Roten Khmer mit dem Leben bezahlt – fast ein Viertel der damaligen Gesamtbevölkerung! Noch heute kämpft das Land mit den Nachwehen dieses Genozids.

Pritsche im Tuol-Sleng-Museum/Gefängnis
Tuol-Sleng-Gefängnis

Zwischen 1975 und 1979 musste das kambodschanische Volk unmenschliche Quälereien ertragen:

Deportation der kompletten Stadtbevölkerungen innerhalb weniger Tage in die ländlichen Gebiete. Schon auf diesen gewaltigen Fußmärschen starben viele Menschen. Phnom Penh war für mehr als dreieinhalb Jahre eine Geisterstadt.

Die gesamte Bevölkerung, auch die Kinder, wurde zur Zwangsarbeit auf den Feldern verurteilt. Die Stadtbewohner galten Pol Pot als die größten Bösewichte des Kapitalismus und mussten deswegen die härtesten Arbeiten ünernehmen. Wegen der katastrophalen Inkompetenz der Machthaber und der organisierten Zerstörung aller technischen Hilfsmittel reichte selbst die Arbeit des ganzen Landes nicht aus, um ausreichend Nahrungsmittel herzustellen. Etwa 2 Millionen Menschen starben durch Krankheit, Erschöpfung oder Verhungern.

Totenköpfe in der Stupa der Killing Fields von Choeung Ek
The Killing Fields

Tausende wurden ohne Gründe in Foltergefängnisse gesperrt, brutal misshandelt und schließlich ermordet. Im ganzen Land errichteten die Roten Khmer Massengräber, die so genannten Killing Fields.

Kaum zu glauben, dass eines der schrecklichsten Kapitel der Menschheit noch nicht einmal 30 Jahre her ist, damals weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit. Wegen Grenzstreitigkeiten mit Vietnam wurde das Regime der Roten Khmer schließlich von der vietnamesischen Armee entmachtet. Die Spuren der Schreckensherrschaft sind heute in Kambodscha noch allgegenwärtig. Die Bevölkerung ist ungewöhnlich jung, einer Statistik zufolge sind über 40% (!) der Kambodschaner jünger als 15 Jahre. Der Gesellschaft fehlt heute eine komplette Generation junger Erwachsener. Viele Gebiete des Landes sind immer noch minenverseucht. Auf den Straßen sieht man sehr viele Minenopfer. Und auch die mentalen Schäden werden wohl nur durch das Heranwachsen einer neuen Generation behoben werden können. Praktisch jeder Über-25-Jährige Kambodschaner hat den Terror der Roten Khmer am eigenen Leib erlebt.

Oktober 2003

 

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Bisherige Kommentare

DAMM,LOTHAR am 25. April 2005 18:58:

Die Grausamkeit der Menschen wird bei den Erinnerungen an diesen unvorstellbaren Völkermord in den siebziger Jahren uns nur allzu gegenwärtig.Das man bis zum heutigen Tag nicht in der Lage war die Vielzahl der bis heute unbehelligt in Kambodscha frei und reuelos lebenden Beteiligten vor ein Tribunal der UNO zu bringen löst Betroffenheit aus. Man muss der neuen Generation eine Chance geben diese Verbrechen vor Augen zu führen und ein erbarmungsloses Urteil vollstrecken.Amerika allein hat hier ein gewisses Maß an Schuld sich zu zuweisen als man verfrüht das Feld nach Intervention mit den Nordvietnamesen räumte.Es hat den Anschein als lagen damals nicht genügend Selbstinteressen Amerikas vor um Pol Pots wilden Horden in die Schranken zu weisen.


lisa am 5. Mai 2005 14:28:

da ich dieses thema,gerade in sozialwissenschaften durchnehme und darüber auch eine klausur schreibe ,informierte ich mich übers internet und bekam einen schock welche grausamkeiten den menschen zugefügt wurden,das ist einfach unvorstellbar und grausam!!!es ist sehr interessant mal etwas über die roten khmer zu erfahren!da sieht man erst einmal wie gut manch einer von uns in der heutigen zeit es doch hat!
mfg lia,16jahre


Suli am 9. März 2006 08:47:

meine eltern haben das regime der rotenkhmer miterlebt. nun leben wir zusammen in der schweiz. ich könnte mir nie vorstellen so im krieg zu leben.


Frank Maywald am 6. Juni 2006 00:33:

Ich persönlich finde es recht problematisch, wie oberflächlich und leichtfertig wir Europäer über das Trauma eines anderen Volkes berichten, ohne die Voraussetzungen und die innere Dynamik dieses Geschehens wirklich zu verstehen.

Ist es wirklich nur die übliche Betroffenheit oder fangen wir wirklich an nachzudenken?

Ist es für uns deswegen so schrecklich, weil es sich um den sogenannten Roten Terror handelt oder schreckt uns generell das menschliche Greul?

Khiu Samphan begann als Student mit seiner Dissertation " Die Wirtschaft Kambodschas und die Probleme seiner Industrialisierung". (Paris 1959)
und endete als einer der Führer der Roten Khmer und beteiligte sich mit an den Massenmorden .

Eine Lebensgeschichte eines Intellektuellen, der Intellektuelle und die, welche so aussahen umbringen ließ.

Auch Pol Pot, alias Saloth Sar, genoss bürgerliche Erziehung und war von Bildung angetan und studierte in Paris Maschinenbau.

Beides Zögline westeuropäischer Werteerziehung und Hochschulbildung.

Worin besteht also des Pudels wahrer Kern?